«Ich wollte am Sonntagmorgen eigentlich ausschlafen», erzählt Markus Baumann. Doch stattdessen rettete er das Leben von seinem Nachbarn und dessen Hund. «Es war so gegen 7.15 am Morgen, da habe ich meinen Nachbarn klopfen und rufen hören», erinnert er sich. «Zuerst dachte ich, er mache etwas mit seinem Hund.» Er wusste, dass sein Nachbar körperlich eingeschränkt war, daher hörte er etwas genauer hin. Erst da erkannte er, dass der Nachbar «Ig versticke, ig versticke!» schrie. Baumann reagierte sofort.«Ich habe mir schnell eine Hose und Hausschuhe angezogen und bin direkt zu seiner Haustüre gerannt», erzählt der 53-Jährige. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Ein Feuer war in dessen Wohnung ausgebrochen, dichter Rauch verteilte sich im Wohnzimmer – sein Nachbar und dessen Hund schwebten in Lebensgefahr.

«Von aussen sah man nichts, was auf einen Brand hindeuten würde, also ging ich zur Haustür und versuchte, sie zu öffnen», erzählt der Solothurner SP-Kantonsrat weiter. Doch diese war verschlossen. Geistesgegenwärtig rannte er um das Haus herum in den Garten. «Der Balkon war zum Glück einen Spalt breit geöffnet», erinnert er sich. «Ich schlüpfte in die Wohnung und erst da sah ich, dass es in einer Ecke brannte.» Der Rauch hatte sich in der ganzen Wohnung ausgebreitet, der Nachbar lag vor der Haustüre auf dem Boden, Hundedame Kira sass neben ihm und rührte sich kein Stück.

Instinktiv wusste Baumann, was zu tun war. ««In einer solchen Situation reagiert man einfach. Ich versuchte bloss, so wenig wie möglich zu atmen.» Er schaffte es, die Haustüre zu öffnen und den Nachbarn mitsamt Hund in Sicherheit zu bringen. «Als ich die Tür öffnete, gabs einen Durchzug von der Balkon- zur Haustüre und das Feuer wurde wegen dem zusätzlichen Sauerstoff noch grösser», erinnert er sich.

Als er die beiden in Sicherheit gebracht hatte, meldete er das Feuer der Alarmzentrale; die Feuerwehr Derendingen kann den Brand schnell löschen. Der Nachbar wurde wegen Verdacht auf eine Rauchvergiftung ins Spital gebracht. «Wir haben ihn am Sonntagnachmittag besucht, er wird noch behandelt», berichtet Baumann. Solange passt die Familie auf dessen Hund Kira auf. «Das ist doch selbstverständlich.» Als Helden sieht sich der Bescheidene Derendinger nicht. «Jeder hätte an meiner Stelle so reagiert und seinem Nachbarn geholfen. Ich hoffe, dass man mir, falls ich mal in eine solche Situation komme, auch helfen wird.»

Quelle: Solothurner Zeitung vom 11.10.2017